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Sonder-Newsletter zum Klimagipfel in Kopenhagen Nr. 2, 08.12.2009 Deutscher Naturschutzring und Forum Umwelt & Entwicklung ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
|REPORT VOR ORT|
Von der Klimafront hört man ja eher selten mal gute Nachrichten. Pünktlich zum Beginn der Kopenhagen-Konferenz gab es überraschend welche zu vermelden. Der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Sir Nicholas Stern, der bereits mehrere aufsehenerregende Studien über die Ökonomie des Klimawandels geschrieben hatte, publizierte bei UNEP einen neuen Bericht, der feststellte: die notwendigen Reduktionen der Treibhausgasemissionen für eine Begrenzung des Temperaturanstiegs seien kein Hexenwerk, sondern bei gutem Willen aller Beteiligten durchaus zu schaffen. Allerdings müssten dafür eine Reihe Bedingungen erfüllt werden. Würden die Regierungen ihre bisher vorgelegten zahlreichen – und nur sehr schwer miteinander vergleichbaren - Vorschläge einfach vollständig umsetzen, ohne daran irgendwelche Bedingungen zu knüpfen und ohne die von ihnen selbst vorgeschlagenen Schlupflöcher zu nutzen, würden sie den Entwicklungsländern mehr Unterstützung zu kommen lassen insbesondere bei der Bekämpfung der Waldzerstörung, würden sie die Emissionen der internationalen Luft- und Seefahrt in ein Abkommen mit einbeziehen, dann würde eigentlich gar nicht mehr sehr viel fehlen, um im Jahr 2020 bei einer globalen Emissionsobergrenze von 44 Gigatonnen Treibhausgasen anzukommen. Die NGOs nahmen den Bericht mit gemischten Gefühlen auf und verwiesen auf zahlreiche andere Berichte, die die Lage etwas düsterer zeichnen.
www.unep.org/Documents.Multilingual/Default.asp
Währenddessen begann der Klimagipfel mit den erwarteten eindringlichen Appellen aller Eröffnungsredner: der dänische Premier Rasmussen, IPCC-Chef Pajauri, der Chef des UN-Klimasekretariats de Boer, sowie zahlreiche Vertreter von Regierungen und UN-Behörden. Diese Rituale wiederholten sich mehrfach – nicht nur beim Eröffnungsplenum der Konferenz, sondern auch bei den anschließenden Eröffnungssitzungen diverser Untergremien: der Vertragsstaatenkonferenz des Kyoto-Protokolls sowie den beiden Verhandlungsrunden im Rahmen des Kyoto-Protokolls und der Klimarahmenkonvention selbst.
Rasmussen übte sich in Zweck-Optimismus und erklärte nach der Eröffnung gegenüber der Presse, ein Abkommen sei »in Reichweite«.
Zu Beginn beantragte Papua-Neuguinea im Namen der kleinen Inselstaaten, das Einstimmigkeitsprinzip in der Geschäftsordnung aufzugeben und die Bremserstaaten dadurch auszubremsen, dass ab sofort auch mit Zweidrittelmehrheit Beschlüsse gefasst werden können. Der Antrag wurde – erwartungsgemäß – abgelehnt.
Zwischenzeitlich kursierten in NGO-Kreisen neue Informationen, dass insbesondere außereuropäische, aber auch einige europäische Industriestaaten eifrig bemüht seien, mit immer neuen Klauseln die Anrechnung von angeblich vermiedener Entwaldung oder angeblicher Kohlenstoffbindung durch Wälder auszuweiten und sich damit um reale Emissionsreduktionen herumzumogeln. Also das genaue Gegenteil von Sterns Bericht ...
Ein wichtiges Thema werden in den nächsten Tagen die Finanzhilfen für Entwicklungsländer. Nach Aussagen verschiedener Delegierter aus EU-Ländern wird die EU für Soforthilfen bis zu 7 Milliarden Euro für Maßnahmen in den Entwicklungsländern auf den Tisch legen. Die EU-Staats- und Regierungschefs wollen sich bei ihrem Gipfeltreffen diesen Donnerstag und Freitag in Brüssel auf ein gemeinsames Angebot für die Anschubfinanzierung einigen. Dieses soll dann bei der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen eingebracht werden. (Jürgen Maier)
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|HINTERGRUND|
Wissenschaft – Warnungen vor Klimawandel werden immer deutlicher
Dass der Mensch hauptsächlich für den Klimawandel verantwortlich ist, steht für die globale Wissenschaftsgemeinde längst außer Frage. Ebenso die Tatsache, dass der Klimawandel bereits begonnen hat. Der jüngste und vierte Bericht des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) – der Bibel der Klimawissenschaften – aus dem Jahr 2007 stellt fest, dass „die Erwärmung des globalen Klimasystems eindeutig ist“. Das könne man beobachten an steigenden Durchschnittstemperaturen in Luft und Ozeanen, einer umfassenden Gletscherschmelze sowie dem steigenden Meeresspiegel.
Während die Erkenntnisse des IPCC-Berichts bereits alarmierend sind, ist in den letzten zwei Jahren eine Reihe von wissenschaftlichen Studien erschienen, die sogar noch deutlich über dessen Ergebnisse hinaus geht. Die neuesten Erkenntnisse lassen den Klimawandel als immer dringenderes Problem erscheinen lassen und sparen nicht an mahnenden Worten. Einige Beispiele:
- CO2 ist heute klimaschädlicher als früher. Die Aufnahmekapazitäten der Erde sind offenbar bereits deutlich stärker erschöpft, als noch im IPCC-Bericht angenommen. Was Vegetation, Böden und Meere nicht speichern können, verbleibt in der Atmosphäre. Während im Jahr 1960 von einer Tonne CO2, die z.B. eine Fabrik ausgestoßen hatte, 400 kg in der Atmosphäre verblieben, waren es im Jahr 2006 bereits 450 kg. CO2 ist damit heute klimaschädlicher als vor 50 Jahren.
- Der Meeresspiegel steigt schneller als erwartet. Der IPCC-Bericht geht davon aus, dass der durchschnittliche Meeresspiegel im 21. Jahrhundert um 20 bis 60 Zentimeter steigen wird. Neue Studien kritisieren allerdings, dass in diese Berechnungen das rapide Abschmelzen der Gletscher (etwa auf Grönland oder im Himalaya) sowie der Antarktis nicht mit einberechnet worden ist. Sie gehen daher eher von 80 Zentimetern aus – einige sogar von bis zu zwei Metern.
- Das Eis der Arktis schwindet rasanter als angenommen. Im Sommer 2008 konnte sogar erstmals die Nordostpassage – entlang der russischen Küste – befahren werden. Im Extremfall könnte das Nordpolarmeer im Sommer noch in diesem Jahrhundert nahezu eisfrei sein. Schmilzt das Eis, erwärmen sich die Ozeane schnell – denn die helle Eisfläche strahlt viel Sonnenenergie zurück, während das dunkle Wasser die Energie aufnimmt.
Diese und andere Erkenntnisse sind noch nicht in die Berichte des IPCC eingeflossen – und spielen damit auf der Konferenz in Kopenhagen nur eine Nebenrolle. Denn als wissenschaftliche Grundlage gilt nur, was im IPCC-Bericht steht. Gleichwohl bleibt zu hoffen, dass die verhandelnden Parteien die eindeutige Botschaft der jüngeren wissenschaftlichen Erkenntnisse vernehmen: Es wird eher schlimmer als besser. (Markus Steigenberger)
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|HEUTE AUF DER AGENDA|
en.cop15.dk
unfccc.int
Side-Events:
www.klimagipfel2009.de/cop15/aktivitaeten-kopenhagen/ >> Side-Event
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|VIRTUELL DABEI SEIN|
Täglicher NGO-Newsletter vom Climate Action Network (englisch) www.climatenetwork.org/eco
Berichte von DNR-Mitgliedsverbänden (Auswahl) www.germanwatch.org/klima/klimagipfel.htm
www.klimagipfel2009.de
www.bund.net/bundnet/themen_und_projekte/klima_energie/kopenhagenkonferenz
www.nabu.de/kopenhagen
Ganz aktuell: Kurznachrichten der Klima-Allianz
www.twitter.com/klimagipfel09
Zentrale Demo
www.12dec09.dk/content/english
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|KONTAKT|
Forum Umwelt & Entwicklung
Jürgen Maier
E-Mail: chef@forumue.de
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Deutscher Naturschutzring
EU-Koordination & Internationales
Markus Steigenberger
E-Mail: markus.steigenberger@dnr.de
mobil: +49 (0)160 / 90544817
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